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"Patient Wald" - Walk& Talk im Forst

Unter dem Titel „Patient Wald“ rief die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit dazu auf, „dem Wald einen Krankenbesuch abzustatten“. Zum Waldrundgang mit anschließender Podiumsdiskussion versammelten sich am Donnerstagabend rund 50 Interessierte im Walderlebniszentrum Soonwald nahe Schöneberg. Fünf Forstexperten berichteten von der dramatischen Lage. Windwürfe, die lange Trockenperiode 2018 und massiver Borkenkäferbefall haben in Rheinland-Pfalz in den letzten 1,5 Jahren ca. 2 Mio. Waldbäume geschädigt – das sind 84 %. Martin Grünebaum, Leiter Kommunikation und Marketing bei Landesforsten, sprach von „Schäden in nicht gekanntem Ausmaß“.
 
Die Idee zu der Veranstaltung ging von Carina Konrad aus, Bundestagsabgeordnete aus dem benachbarten Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück. Schon im letzten Jahr hatte sich die Agraringenieurin aus Bickenbach beim Forstamt Kastellaun ein Bild von der Lage verschafft: „Der Wald hatte immer elementaren Wert für die Menschen im Hunsrück. In der jetzigen Krise dürfen wir nicht im Leid versinken, sondern müssen aktiv werden.“ Konrad konnte ihren Kollegen Dr. Christoph Hoffmann für die Veranstaltung gewinnen, den einzigen Förster im Deutschen Bundestag. Dieser betonte, dass zur Rettung der Wälder mehr Fachleute gebraucht würden: „Der Wald ist ein Ökosystem, das ist etwas anderes als ein Garten, den ich mal eben umgraben und neu anlegen kann.“

 

BUZ (v. l. n. r.): Dr. Christoph Hoffmann MdB, Moderator Hanno Schneider, Monika Kirschner, Andrea Ball, Martin Grünebaum, Carina Konrad MdB

 

Michael Veeck vom Forstamt Soonwald, der die Gruppe durch den sichtbar geschädigten Wald führte, berichtete von Revieren in einer Größenordnung von 2.000 Hektar: „Das ist einfach zu viel für einen Förster.“ Seit Einführung des Waldzustandsberichts 1984 seien noch nie mehr Bäume krank gewesen. Für die durch Schadstoffe jahrzehntelang geschädigten Bäume sei das Dürrejahr 2018 einfach zu viel gewesen. Veeck verdeutlichte den Zusammenhang anhand eines erkälteten Menschen, der sich leichter noch einen Virus einfange als ein gesunder Mensch. Bis der Wald sich von einem Jahr Trockenheit erholt habe, könne es durchaus zehn Jahre dauern. Nicht ausmalen wollten sich die Experten, was passieren könnte, wenn das kommende Jahr erneut ein trockenes würde.
 
Andrea Ball vom Bund Deutscher Forstleute berichtete, dass ab 2020 im Rahmen einer Nachwuchs-Initiative das duale Studium in Rheinland-Pfalz wieder eingeführt werde. Man erhoffe sich dadurch mehr dringend benötigte Nachwuchs-Spezialisten für den Wald. Monika Kirschner von der Initiative Soonwald kritisierte mangelnde Anerkennung für diese Berufe, die sich in schlechter Bezahlung zeige. So falle es natürlich schwer, junge Leute für die wichtige Arbeit im Wald zu begeistern. Hoffmann erklärte, man könne auf der Welt 350 Millionen Hektar neue Wälder schaffen – und das sei im Hinblick auf das Klima auch dringend angeraten.
 

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